Text und Bilder von Burkhard P.

In Lichtenberg wurden in 1970er- und 1980er-Jahren viele neue Wohnungen überwiegend in Plattenbauten errichtet. Es waren begehrte Wohnungen mit Fernheizung und Fahrstuhl. Vor dem Haus gab es Licht, Luft und Platz für die Kinder auf der Wiese.

In den Neunzigern gab es Vorhersagen, dass die Einwohnerzahl in Berlin schon bald bei 6 Millionen liegen soll. Aufgrund von Strukturwandel und Abwanderung stieg zunächst der Wohnungsleerstand.

2004 wurde dann Platte für Platte ein 18-geschossiges Hochhaus der HOWOGE mit 136 Wohnungen an der Frankfurter Allee abgetragen. Die Grünflächen und der Baumbestand blieben erhalten.

Es war der einzige Abriss in Lichtenberg. In anderen Stadtbezirken ging aufgrund der Leerstandsquote der Wohnungsabriss weiter. Spätestens 2014 setzte in Berlin ein Umdenken ein. Jetzt stand der Neubau im Fokus.

Berlin braucht neue Wohnungen für die Berliner*innen und für die Zugezogenen. Das vorhandene Stadtgrün ist den Bewohner*innen sehr wichtig und eine Nachverdichtung von Innenhöfen findet somit wenig Anklang.

Die Innenhöfe sind in Gefahr

Weißenseer Weg 15-16

Für Neubauprojekt „Wohnen am LichtGarten“ der Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg eG (WGLi) war im Oktober 2018 Richtfest für ein achtgeschossiges und ein fünfgeschossiges Gebäudeensemble. Fahrrad- und Kfz-Stellplätze werden auf Erdgeschossniveau angelegt.

Die Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg eG hat zusammen mit den beauftragten qualifizierten Fachleuten zwei Gebäude mit 107 Wohneinheiten geplant, die bis Ende 2019 zum Erstbezug bereit stehen.

Die laufende Information der Anwohner*innen und die Weiterentwicklung des Projektes auf der Basis der Entwurfsplanung führten zu einem guten Ergebnis. Für die Bewohner*innen im Erdgeschoss gibt es private Gärten und die Grünflächen sind für alle offen.

Über das neue Bauensemble äußern sich die umliegenden Genossenschaftsmitglieder sehr zufrieden. Michael Grunst lobte die WGLi beim Richtfest. „Sie ist mit über 10.000 Wohnungen ein starker Partner in unserem bezirklichen Bündnis für Wohnen“, so der Bürgermeister.

Paul-Zobel-Straße 10

Hier hat die HOWOGE auf rund 4.000 Quadratmeter zwei achtgeschossige Wohnhäuser mit 69 Wohnungen entwickelt, die generationsübergreifendes Wohnen ermöglichen. Fahrradabstellräume und Fahrradstellplätze im Freien werden geschaffen.

Das Grundstück Paul-Zobel-Straße 10 befindet sich im Innenbereich einer zehngeschossigen Wohnanlage. Auch hier ging es darum, das Quartier zeitgemäß weiterzuentwickeln.

Das sahen die Bewohner*innen anders, es ging von Anfang an um den Erhalt der wohnortnahen Grünflächen und deren Aufwertung. Der Innenhof ist aufgrund fehlender Pflege von Bäumen und Sträuchern überwuchert. Die Wege sind in einem schlechten Zustand.

Der Protest von 30 Anwohner*innen vor dem Konzernsitz der Wohnungsbaugesellschaft Howoge hatte keinen Erfolg.

Laut Howoge seien die „multifunktionalen Flächen“ in den neuen Häusern gemeinschaftlich nutzbar. Für alle Bewohner*innen des Quartiers stünden diese Räume zur Verfügung.

Neubau Paul-Zobel-Straße

Nachverdichtung beim Neubau

Mit dem Projekt Lindenhof wird auf dem sieben Hektar großen Gelände des ehemaligen Kinderkrankenhauses neuer Wohnraum durch die HOWOGE geschaffen.

Im Jahrbuch 2018 der HOWOGE ist zu lesen „Es war eine Oase mitten in der Stadt. Die Vögel zwitscherten, die denkmalgeschützten Gebäude wurden von der Sonne beschienen – es war einfach idyllisch“.

Der Ankauf erfolgte im April 2012. Damals war Berlin noch nicht die wachsende Stadt und Wohnungen in großem Stil wurden nicht gebaut. In der naheliegenden Kriemhildstraße entstanden gerade Doppel- und Reihenhäuser.

Der erste Bebauungsplan sah eine wesentlich weniger dichte Bebauung mit bis zu 400 Mietwohnungen vor. Nach vier Jahren Planung und weiterer Verdichtung soll die Wohnanlage aus drei u-förmigen offenen Höfen und vier kleineren Punkthäusern bestehen.

Anfang 2019 wurde ein Stadtquartier direkt am Landschaftspark Herzberge mit 585 Wohnungen fertiggestellt. Statt bisher fünf Geschossen sind es jetzt 6-geschossige Häuser, welche seit Oktober 2018 bezugsbereit sind.

Hinzu kommen 95 Eigentumswohnungen in den denkmalgeschützten Bestandsgebäuden durch die terraplan Immobilien- und Treuhandgesellschaft mbH.

An der Frankfurter Allee zwischen Möllendorffstraße und Lichtenberger Brücke baut die HOWOGE mit den Projekten Rathausstraße 11-12, Frankfurter Allee 135 und Q218 ca. 750 neue Wohnungen.

Der Neubaukomplex Rathausstraße 11-12 ist mit 136 Wohnungen bereits voll vermietet. Am 31. Januar 2019 wurde der erste Spatenstich für das neue Quartier „Wohnen am Rathauspark“ gesetzt.

Ein neues 18-geschossiges Hochhaus und eine Blockrandbebauung an der Frankfurter Allee werden für Büro und Gewerbe genutzt.

In den freistehenden Wohnhäusern entlang der Parkkante werden 251 Wohnungen geschaffen mit Blick in den Rathauspark.

Mit insgesamt 387 Mietwohnungen sowie 15.400 Quadratmetern Büro- und Gewerbefläche wird an der Frankfurter Allee 135 eine Baulücke geschlossen.

Der Stefan-Heym-Platz mit dem Fischerbrunnen wird nach den Wünschen der Anwohner neu gestaltet.

Howoge: Frankfurter Allee 135

Bild: HOWOGE, Entwurf Frankfurter Allee 135, Quelle: HOWOGE Jahrbuch 2018

 

KOMMENTAR
Berlin wächst seit einigen Jahren rasant, daher wird zusätzlicher Wohnraum benötigt. Mit kleinteiligen Nachverdichtungen werden die Herausforderungen nicht gelöst.
Wie kann der Neubau in Innenstadtlagen gesteigert werden? Können Grünanlagen und Spielplätze in Innenhöfen vor Neubauten geschützt werden?

Wohnen im Grünen
Eine über Jahrzehnte gewachsene Innenhofbegrünung in den Großsiedlungen trägt zur lokalen Verbesserung des Stadtklimas bei. Entsiegelte Flächen und Grünpflanzen kühlen aufgrund der von ihnen ausgehenden Verdunstung den Hof. Eine Verbesserung der Innenhofbegrünung und der Gehwege ist eine relativ einfache und kostengünstig durchzuführende Maßnahme. So ermöglicht es den Bewohner*innen Bewegung im Freien. Besonders für die Entwicklung von Kindern ist das Naturerleben wichtig.
Im öffentlichen Freiraum kommt das Lebensgefühl der Menschen zum Ausdruck. Ein gutes Beispiel ist der neu gestaltete Innenhof zwischen Josef-Orlopp-Straße und Paul-Zobel-Straße.

Gute soziale Infrastruktur schaffen
Ein Vorteil vieler großer Wohngebiete ist die wohnortnahe Errichtung von Gemeinschaftseinrichtungen. Eine Kita, ein Nachbarschaftstreff oder seniorengerechtes Wohnen im Innenhof kann als zwei- oder dreigeschossiger Neubau die gewandelten Bedürfnisse erfüllen.
Für diese bauliche Verdichtung müssen dann dringend erforderliche Ausgleichsmaßnahmen mit öffentlich zugänglichen Grünflächen geschaffen werden.

Bauen im Bestand
Statt einer Nachverdichtung der Innenhöfe sollten die vorhandenen Baulücken geschlossen werden. Die Bewohner sind dann zur Mitgestaltung aufgerufen. Ihnen ist die Bedeutung von Stadtgrün durchaus bewusst. Auch entlang von Straßen gibt es ausreichend Potential für eine Bebauung.

Neue Stadtquartiere bauen
Neue Stadtquartiere können und sollen nicht die Dichte innerstädtischer Gründerzeitgebiete erreichen. Eine große Siedlung wie der Lindenhof, mit einer Einwohnerzahl von über 1.000 Personen, muss in ihrer Gesamtheit nach einem städtebaulichen Konzept und einheitlichen Baustandards errichtet werden.
Entstanden ist das Stadtquartier Lindenhof mit einer städtischen kompakten Struktur mit Straßen und Plätzen zwischen alter und neuer Bebauung. Damit ist der Neubau in Innenstadtlagen mit günstigen Mieten möglich.
Wir brauchen eine gewaltige städtebauliche und architektonische Leistung. Gerade die Wohnungsbaugesellschaften können für einen zügigen und kostengünstigen Neubau als Ergänzung das Typenhaus nutzen. Damit können die Wohnungen früher in die Vermietung gehen.

Zukunft Stadtgrün
Hier in Lichtenberg Nord und in ganz Berlin muss das Ziel sein, dass der Kiez für seine Bewohner weiterhin lebenswert bleibt. Darüber hinaus tragen Stadtparks und Grünverbindungen zum Wohlbefinden der Stadtbewohner*innen bei.

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